Freilichtbühne Ebermannsdorf

Pressebericht vom 12.08.2009

Berühmte Streiche werden lebendig

Bernhard Hübl

zeigt eine Skizze des geplanten Bühnenbildes: eine Stadt, eventuell mit einem Brunnen als „Dorfmittelpunkt“. Foto: awe

Ebermannsdorfer wollen die Geschichten von „Max und Moritz“ als Freilichtspiel im Gutshof aufführen.
Ebermannsdorf. Mit „Max und Moritz“ startet in Ebermannsdorf ein neues Projekt, an dem sich die Gemeindebürger aktiv mit einbringen können und sollen. Das erste Treffen mit den Organisatoren Hans-Georg Hierl und Siegfried König sowie dem bekannten Regisseur und Drehbuchschreiber, Bernhard Hübl, stieß bei den interessierten Gemeindebürgern bereits auf großes Interesse.
Hierl begrüßte die Freunde des Freilichtspiels sowie Altbürgermeister Albert Gruber im Pfarrsaal und berichtete zunächst von der Entstehungsgeschichte des geplanten Events im Gutshof. Bereits seit ein paar Jahren seien er und Sigi König mit dem Gedanken, den historischen Gutshof auf dem Schlossberg als Freilichtbühne zu nutzen, „schwanger gegangen“. Die Gebäude und der Innenhof seien geradezu prädestiniert für eine derartige Nutzung und auch die Eigentümer, Familie von Eyb, wären damit einverstanden. Außerdem wolle man mit dem Reinerlös die Restaurierung der alten Johanniskirche finanziell unterstützen.
Wie der Oberpfälzer an sich, seien auch die Ebermannsdorfer Bürger zunächst eher zurückhaltend und in der Beobachterrolle, meinte Hierl in Bezug auf die Teilnehmerzahl beim ersten Treffen. Dabei würden so viele Bürger dringend bei der Verwirklichung des Projekts benötigt. Nicht nur Darsteller werden gesucht, auch und vor allem zahlreiche Helfer. Sei es zum Umgestalten des Gutshofs, zum Bau des Bühnenbildes, später dann als Techniker, Ordner oder in der Gastronomie. Man plane, den Kartenvorverkauf auch online abzuwickeln. Hierzu sei jemand nötig, der fit genug ist, diese Aufgabe zu übernehmen. Musikalische Pausen oder Überleitungen wären vorstellbar, Lieder oder Tänze könnten mit eingebaut werden.
Sigi König ging ein bisschen ins Detail, um den Anwesenden eine bessere Vorstellung vom Vorhaben zu vermitteln. Man plane, die alten Garagen am Gutshof weg zu reißen, das ganze Innengelände dann zu planieren und gangbarer zu machen. Im Halbkreis werde dann eine „Bühnenstadt“ aufgebaut, wo an verschiedenen „Häusern“ die einzelnen Streiche gespielt werden könnten. Für die Zuschauer würde eine Tribüne benötigt, die man entweder ausleihen oder selber bauen könnte. König ließ die Fantasie schweifen, wie man das Freilichtspiel noch erweitern und ausschmücken könnte. Er hoffe auf viele weitere Ideen von Bürgern für Bürger.
Bernhard Hübl übernahm schließlich das Wort und stellte sich und seine bisherige Arbeit zunächst vor. Der 53-jährige macht seit 26 Jahren Theater und hat sich im Rahmen der Laienspielförderung beim Bezirk zum Regisseur weitergebildet. Hier erlangte er grundlegende Kenntnisse zur Regiearbeit. Unter seiner Hand entstanden Freilichtspiele wie beispielsweise „Der Guttensteiner“ zu Rötz, oder auch die Erasmus-Grasser-Festspiele in Schmidmühlen.
Mit einem Märchen wie „Max und Moritz“ spreche man eine große Bandbreite von Leuten an, meinte er. Und wenn viele Leute kommen und schauen – und Eintritt bezahlen –, dann bleibe auch viel für den sozialen Zweck hängen. Nachdem die sechs Vorstellungen alle über den Tag verteilt sein werden, können auch Schulklassen und kleine Kinder die Vorstellung besuchen.
Hübl sprach von 35 bis 50 Proben, an denen aber nicht immer alle Darsteller teilnehmen müssen. Er wolle das ganze Stück Seiten- oder Sketchweise einstudieren und dann alles zusammenführen. Bei den Proben, die im Januar starten werden, erwarte er Ernsthaftigkeit; die Schauspieler müssen sich in die jeweilige Rolle hineinversetzen, gedanklich wie körperlich voll darauf eingehen.
Auch Jugendliche und Kinder sollen an dem Schauspiel aktiv mitspielen. Spontan fielen ihm die vier Hühner und die zwei Maikäfer ein, für die Kinder zwischen acht und zwölf Jahren eingesetzt werden könnten. Auch der Hund Spitz passe für einen jungen Darsteller.
Mit geübtem Auge ordnete er den Anwesenden die Rollen zu, für die er sie am geeignetsten hielt. Ohne die Leute zu kennen oder irgendetwas von ihnen zu wissen, traf er bei fast allen genau den Nagel auf den Kopf – sprich, genau die Rolle, für die sie sich zuvor auf einem bis dahin noch nicht eingesammelten Blatt eingetragen hatten!
Eine optisch geradezu ideale Besetzung fand er in zwei jungen Frauen, die eigentlich gar nicht vorhatten, überhaupt mitzuspielen. Nach kurzer Überredung durch den Regisseur, der den erfahrenen Theatergruppen-Regisseur Franz Pfab zu seinem Assistenten ernannte, stimmten die beiden Frauen jedoch gerne zu, die Rollen zu besetzen. (awe)

Meldung vom 12.08.2009 Mittelbayerische Zeitung